Schauspielhaus rekonstruieren

ID: 234
Erstellt von Erik Rohnfeld am 13.07.2016 um 13:50 Uhr
Wie & wo soll sich Frankfurt verändern?

Anstatt immer weiter mit enormen Millionensummen am garstigen Zustand des Schauspielhauses herumzudoktorn, sollte es endlich wieder in seinen Vorkriegszustand zurückversetzt werden. Hinter dem furchtbar hässlichen Glaskasten verbirgt sich immer noch die Bausubstanz des weitgehend erhaltenen wunderschönen Schauspielhauses, das Anfang der 60er-Jahre in einem Akt unvergleichlicher Kulturbarbarei seiner Dachpartien und Fassaden beraubt und hinter den heute zu erleidenden Fassaden versteckt wurde, die den Theaterplatz erst so kalt erscheinen lassen.
Bis zu diesem Zeitpunkt war es das größte und bedeutendste Beispiel des in Frankfurt ohnehin nur spärlich vertretenen Jugendstils, so dass eine Wiederherstellung allein schon aus Denkmalgesichtspunkten dringend erforderlich ist.
Es stellt sich ohnehin die Frage weshalb Schauspiel und Oper unbedingt eine Doppelanlage benötigen, noch dazu dass im Opernhaus keine Oper und im Schauspielhaus kein Schauspiel (sondern hier dann die Oper) stattfindet.

Kommentare (7)

Sascha Mahl

31.07.2016 09:21

Der Wiederaufbau des ursprünglichen Schauspielhauses wäre ein unglaublicher Gewinn für Frankfurt. Gebäude im Stil moderner Architektur werden in Frankfurt seit Jahren in großer Zahl errichtet, so dass Verfechter und Liebhaber der modernen Architektur äußerst gut bedient sein dürften.

Schauen wir uns an, welche Plätze samt Gebäuden bei Frankfurtern und Touristen als die schönsten und besuchenswertesten gelten: Der Opernplatz mit der teilweise rekonstruierten Alten Oper und der Römer mit seinen ebenso größtenteils rekonstruierten und wiedererrichteten Gebäuden. Historische Bauwerke und auch deren Rekonstruktionen verleihen einer Stadt einen gewissen Charme. In diesem Jahr war ich mehrfach in Berlin und Dresden. Das gerade entstehende Berliner Stadtschloss, die beinahe wiederhergestellte Bebauung um den Dresdner Neumarkt - samt Frauenkirche und vielen historischen Gebäuden - all diese Rekonstruktionen verleihen den Städten Identität und Lebensqualität.

Im Juni 2016 erschien über die Rekonstruktions-Debatte ein großartiger Artikel in der Welt: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article156134136/Harte-Zeiten-fuer-Anhaenger-moderner-Architektur.html.

Zitate: "Das Muster ist fast überall gleich: Es gründet sich eine Bürgerinitiative, Denkmalpfleger und Architekten sprechen sich gegen das Projekt aus, dann erreicht es die Politik – und am Ende setzen sich in den meisten Fällen die Bürger mit Überzeugungskraft gegen anfangs übermächtig erscheinende Widerstände durch... Und Vorsicht mit der These, die Pflege der alten Baukunst sei ein Hobby von Rentnern, die vor einer unübersichtlichen Gegenwart in eine vermeintlich heile Vergangenheit flüchten. Umfragen zum wiederaufgebauten Schloss in Berlin und zur neuen Altstadt in Frankfurt am Main ergaben: Die größte Zustimmung gibt es in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen."

Wie gut würde es Frankfurt tun, wenn die Rekonstruktion des Schauspielhauses ein Bürgerprojekt wird, für das sich viele Einzelpersonen, Vereine, Unternehmen und Familien einsetzen und einen großen Teil der Baukosten durch Spenden unterstützen. So, wie es auch in Berlin und Dresden gelungen ist. Es würde die Frankfurter wieder ein Stück weiter zusammenbringen.

Mikael GB Horstmann

30.07.2016 18:44

Wer für eine Rekonstruktion oder für die Verlagerung an zwei unterschiedliche Standorte plädiert, plädiert für weniger Theater in der Stadt.

Frankfurt hat andere Probleme, das Geld für die Mehrkosten einer Rekonstruktion oder die zusätzlichen Kosten für das Hin- und Herfahren von Bühnenbildern und anderen Dingen in den kommenden Jahrzehnten lässt sich an ganz vielen Stellen besser einsetzten, z.B. in die Theater- und Opernkunst selbst. Die Renovierung oder ein Neubau wird teuer genug.

Bislang haben die Frankfurter sich für die bessere Entfaltung Kunst entschieden, anstatt sich am Alten festzuhalten: Aufgabe des Comödienhauses am Rathenauplatz und Umzug in die Anlage, Neubau in den 1960er in der heutigen Form. Für die Theater- und Opernkunst sollte die Entscheidung, wie es weitergeht, genau dieser Traditionslinie folgen.

Rudolf Müller

30.07.2016 18:13

Neubau ja, aber keine Reko!
Mit einem (erweiterten) neuen Altstadtbereich kann man einverstanden sein, ebenso mit dem Erhalt von wertvollen Bestandsgebäuden. Aber, wir sollten vielleicht doch einmal damit aufhören, immer wieder Rekonstruktionen irgendwelcher Gebäude haben zu wollen. Demnächst kommen noch Forderungen nach Gebäuden aus dem 10. Jahrhundert, wie die karolingische Pfalz – oder noch viel früher.
Ja, leider ist Frankfurt wahnsinnig zerstört worden, aber genau deshalb ist heute Frankfurt so wie es ist, eine moderne Stadt mit vielen modernen zeitgemäßen Gebäuden und Hochhäusern. Und in diesen Teilen haben mit Sicherheit auch alte erhaltene ehrwürdige Gebäude Ihren Platz - aber bitte keine zusätzlichen neuen alten Nachbauten.

Erik Rohnfeld

29.07.2016 15:56

Es mag zwar effektiver sein, alles zusammen mit den Werkstätten an einem Ort zu haben, aber ansonsten spricht absolut nichts dagegen Oper und Schauspiel in unterschiedlichen Teilen der Stadt unterzubringen (wie es auch in jeder anderen Großstadt problemlos funktioniert). Es gibt keinen Grund, dass der als Innenstadt erlebbare (und mit entsprechenden Nutzungen ausgestattete) Bereich der Stadt für alle Zeiten auf das mittlerweile viel zu kleine Areal innerhalb der Wallanlagen beschränken soll.
Sinnvollerweise sollte man natürlich zunächst versuchen die Oper wieder in der Alten Oper, und das Schauspiel im rekonstruierten Schauspielhaus unterzubringen. Falls die historischen Gebäude dem Platzbedarf absolut nicht gerecht werden, könnte auch auf dem Entwicklungsgebiet an der Bockenheimer Warte (sogenannter "Kultur-Campus") eine Spielstätte errichtet werden.

Reiner Martin

20.07.2016 09:28

Eine sehr gute Idee, die den Willy-Brandt-Platz massiv aufwerten wuerde. Als Ausgleich zum entfallenden Raum an der Oper (altes Schauspielhaus) koennte das neue Schauspielhaus zur Neuen Mainzer Strasse hoeher gebaut werden. Das wuerde gut mit Eurotower und Maintor Areal korrespondieren.

Oliver Hehn

14.07.2016 14:19

Zumindest sollte man einer millionenschweren Sanierung beider Häuser absehen und besser einen Neubau erwägen. Vor allem das Fassadensammelsurium der entlang Neuer Mainzer, Untermainanlage und Hofstraße sind keinesfalls erhaltungswürdig. Der neue Fassadenteil um den Zugang zu den Kammerspielen schafft keine gestalterische Vermittlung. Der gesamte Komplex wirkt zusammen gebastelt und provinziell. Die Eingänge zu Oper und Schauspiel sind desaströs weil kaum erkennbar. Ich mag die große Glasfront, das Foyer mit den Wolken, die Terrasse und auch die Innenräume von Oper und Schauspiel. der gesamte Komplex jedoch erscheint deshalb nicht erhaltenswert.

Erik Rohnfeld

13.07.2016 13:51

Bild des beeindruckenden Vorkriegszustandes zum Beispiel hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Frankfurt_Altes_Schauspielhaus_1914.jpg